09.02.2008

Darüberstehen

“Dass ich nicht ‘darüberstehen’ kann – ist das ein Zeichen, dass ich nicht tief genug Naikan übe?”
Diese sehr interessante Frage stellte mir vor kurzem eine Naikan-Übende. Sie praktiziert schon seit Jahren Naikan und stieß auf diese Thematik in ihrem Alltag.

Gleich vorweg: Ziel von Naikan ist es nicht, einfach "darüber zu stehen". Im Naikan lernt man, ganz genau hinzuschauen und aus einander zu halten, wer welchen Anteil an einer Situation hat.
Das bedeutet aber nicht, dass es “egal” wird, was die Anderen tun, oder dass man keine gefühls mäßigen Reaktionen mehr auf das Verhalten der Anderen zeigt.

Gefühle sind für uns selbst wichtige Wegweiser, sie zeigen auf, was für uns okay ist und was nicht.


Es ist notwendig, den Anderen darauf aufmerksam zu machen, was sein Verhalten bewirkt. (Man selber lernt ja auch nur weil uns jemand Anderer sagt, was nicht okay ist, oder?) Aber wir können nicht bestimmen, ob der Andere das tatsächlich hört oder tatsächlich daraus lernt.
Naikan lässt uns etwas ganz tief verstehen, was in der Theorie sehr einfach und sehr richtig klingt: Wir können niemanden Anderen ändern. Tatsache ist, dass andere Menschen immer wieder Dinge machen, die nicht in Ordnung sind. Die Frage ist jedoch: Was mache ich damit? Pflege ich den Ärger, die Wut, die Verzweiflung? Oder steige ich aus diesem Strudel aus und lenke den Blick auf das, was ich tun kann?

Gefühle werden ungesund, wenn man in ihnen badet. Naikan hilft, dass man aus den Gefühls strudeln wieder aussteigen kann bzw. lernt, wie man sich gar nicht erst hineinfallen lässt.
Das ist ein Lernprozess. Wir können es leider nicht auf Knopfdruck. Aber wir können uns Knöpfe zulegen, die uns immer wieder zum Lernen motivieren.

Keine Kommentare: