06.08.2008

Und es tut mir nicht leid

Viele denken es, manchmal wird es sehr deutlich ausgesprochen: Ja, ich habe etwas Bestimmtes gemacht, und es war für den anderen schwierig - und es tut mir nicht leid.

Dieses “Es tut mir nicht leid” kann auf zwei Ebenen gemeint sein.

Da gibt es die eine Ebene, die uns allen bestens vertraut ist: das Ego. Dieses Ego will nicht einmal ansatzweise verstehen, was unsere Handlungen für jemand anderen bedeuten, es will schlicht und einfach Recht haben. Hauptsache, die eigene Sicht der Dinge wird als die einzig wahre und richtige und ewig gültige nicht in Frage gestellt. Bloß nicht an der Oberfläche kratzen.

Dann gibt es eine zweite Ebene: Wir blicken zurück auf das, was wir gelebt haben, gehen tiefer in uns selbst und erforschen, was wir gemacht haben und was unsere Handlungen bewirkt haben.

Wir erkennen, was unser Tun im eigenen Erleben und im Kontakt zum anderen für Konsequenzen hatte. Aus dieser Perspektive wird erfahrbar, dass die eigene Sicht der Dinge nur die eigene Sicht der Dinge ist, und dass ein und dieselbe Situation für jemand anderen ganz anders aussieht.
Man versteht und fühlt: Oh, das war für den anderen schmerzhaft. Aha, das war hart für den anderen.
Rückblickend würde man vielleicht manches gerne ändern, oder sich dafür entschuldigen.
Doch es gibt auch Dinge, die für andere schwierig oder unbequem waren, und man bleibt dabei: Es tut mir nicht leid. Es war trotz aller Unannehmlichkeiten, die ich mit meinem Verhalten verursacht habe, so in Ordnung.

Es geht eigentlich nur um eines: die Tatsachen zu sehen und zu akzeptieren, was war und ist. Ohne Vorwurf, Verzerrung, Beschönigung. Keine Beurteilung.

Das ist Training, das sich wirklich lohnt - denn der Lohn ist mehr Glück und Zufriedenheit.

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