23.01.2015

Das Netz des Lebens erkunden

"Individuelle Lebensgestaltung ist nur dem möglich, der die Wechselbeziehungen zwischen dem, was er mit seinen Handlungen anderen antut, und dem, was andere ihm antun, erfasst." (Fritz B. Simon: "Die Kunst, nicht zu lernen", S. 52)

Dieser Satz ließ mich sofort an Naikan denken. Denn das Erkunden dieser Wechselbeziehungen zwischen mir und anderen Menschen ist genau das, was Naikan auszeichnet.

Was ich anderen mit meinen Handlungen antue erkunde ich mit den Fragen 2 und 3:

2. Naikan-Frage: Was habe ich für Person X gemacht?
3. Naikan-Frage: Welche Schwierigkeiten habe ich Person X gemacht?
Beide Fragen gehören zu dem, was mein Handeln beim anderen bewirkt: Das, was gelingt oder für den anderen unterstützend ist (2. Naikan-Frage) und das, was nicht gelingt oder für den anderen unangenehm, störend, irritierend ist (3. Naikan-Frage).

Was der andere mir mit seinen Handlungen antut, erkunde ich mit der Frage 1 (und nur am Rande mit der Frage 4):

1. Naikan-Frage: Was hat Person X für mich gemacht?
Und weil wir uns allzu oft in Schuldzuweisungen und Grübeleien in diese Richtung verlieren, lassen wir die sogenannte 4. Frage beim Naikan mal beiseite:
4. Frage, die Naikan nicht stellt: Welche Schwierigkeiten hat Person X mir bereitet?
Auch hier gehören beide Aspekte zu dem, was das Handeln des anderen bei mir bewirkt: Manche Dinge sind unterstützend oder angenehm für mich, manche Dinge sind störend, irritierend, unangenehm für mich. Übrigens liegt hier die Stärke von Naikan: Auch wenn ich etwas als unangenehm erlebe, kann ich genauer hinschauen, die Bewertung "unangenehm" und die 4. Frage beiseite lassen und mit den 3 Naikan-Fragen die verschiedenen zusätzlichen Aspekte der Wechselbeziehung erkunden.

Bleibt noch die Frage: Wozu?

Wozu Naikan? Wozu sich mit den Wechselbeziehungen zwischen mir und den vielen Menschen in meiner Umgebung befassen? Wozu dieser manchmal faszinierende, manchmal mühsame Erkenntnisprozess?

Die Antwort in obigem Zitat: Wer sein Leben individuell gestalten will, der tut gut daran, sich mit den Wechselwirkungen im Beziehungsgeflecht auseinanderzusetzen. Das Netz des Lebens gilt es zu erkunden. Naikan bietet hier ein wirkungsvolles Werkzeug an, um mit klarem Blick in Aktion zu gehen.

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