13.02.2015

Veränderung in der Zukunft heißt Verantwortung in der Gegenwart


Immer wieder mache ich mir Gedanken darüber, warum beim Naikan die 3. Frage: Welche Schwierigkeiten habe ich Person X bereitet? so unbeliebt ist.

Ja, es ist wahr, dass wir uns selber nicht so gern als Verursacher von Unannehmlichkeiten sehen (und überhaupt: es sind ja doch immer die anderen). Ja es ist wahr, dass wir oft nicht so genau wissen wollen, was denn genau unser eigener Anteil an einer komplexen Situation ist (und überhaupt: es sind ja doch immer die anderen). Ja, es ist wahr, dass wir uns oft damit plagen, Verantwortung zu übernehmen (und überhaupt: sollen doch die anderen). Ja, es ist wahr, dass wir allzu oft vor Veränderung zurück schrecken (und überhaupt: sollen doch die anderen).

Die Möglichkeit, Zukunft zu gestalten, ist mit einer unangenehmen Nebenwirkung verbunden: Man muss Verantwortung übernehmen für das, was ist.
"Wer den Schwarzen Peter der Rolle des handelnden Subjektes bekommt, erhält nicht nur die Möglichkeit zur Veränderung der Zukunft, sondern auch die Schuld für die Misere in der Gegenwart; wer hier und jetzt etwas verändern kann, trägt damit auch die Verantwortung für das, was geschehen ist." (Fritz B. Simon: "Die Kunst, nicht zu lernen", S. 53) Aha, deshalb ist die innere Abwehr so groß.

Auch ich musste und muss mich darin üben, mir die 3. Naikan-Frage zu stellen. Sie ist unbequem, daher wollte ich ihr gern aus dem Weg gehen. Heute weiß ich, dass die Tatsachen sich nicht ändern, egal, ob ich sie sehen will oder nicht. Wenn ich die Tatsachen sehe, auch meine Anteile sehe, dann eröffnet sich mir eine aufregende Möglichkeit: Ich kann etwas tun, vielleicht etwas ändern, jedenfalls aber entscheiden!

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