23.06.2015

Die Schwierigkeit mit der Schwierigkeit

Kann ich überhaupt wissen, ob das, was ich gemacht habe, für den anderen tatsächlich eine Schwierigkeit war? Früher oder später stellt sich wohl jeder Naikan-Übende diese Frage.

Nein, ich kann niemals mit absoluter Sicherheit wissen, wie der andere mein Verhalten erlebt hat. Um Gewissheit darüber zu bekommen muss ich diese Person danach fragen.

Macht es dann überhaupt Sinn mir die Frage zu stellen, welche Schwierigkeiten ich dem anderen bereitet habe?

Ja, denn erstens ermöglicht mir dieser Blickwinkel eine bessere Einschätzung meines Gegenübers. Seine Worte, Gesten, Reaktionen deuten darauf hin, dass mein Tun ihm Schwierigkeiten verursacht hat. Wenn ich Achtsamkeit dafür entwickle, dann kann ich bewusster damit umgehen, mehr Verständnis für den anderen aufbringen, eventuell mein Verhalten ändern.

Zweitens erlebe ich mich durch die dritte Naikan-Frage selbst als jemand, der auch unbequem für andere ist. Das setzt ein Gegengewicht zur sehr beliebten doch wirklichkeitsfernen Ansicht: Nur die anderen sind Schuld.

Und drittens: Jeder Mensch ist anders. Dieser kluge Spruch, den mein Verstand schon lange predigt, reift langsam zu tiefer Einsicht.

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