13.09.2015

Wir sind, was wir erinnern

Wer bin ich? Diese Frage stellt sich wohl jeder Mensch. Gibt es eine Individualität? Ja sicher, das erleben wir doch jeden Tag. Gibt es eine Individualität völlig unabhängig von äußeren Einflüssen? Nein, wir sind niemals isoliert, wir sind immer in Verbindung mit anderen Menschen und der Umwelt.

Gibt es ein unveränderliches Ich? Nein, wir sind ständiger Veränderung unterworfen. Das, was wir erleben und wie wir es erleben, beeinflusst unsere Art zu sein. Doch nicht nur das, was wir erlebt haben, hat Einfluss auf unsere Identität, sondern auch die Art, wie wir uns an das erinnern, was wir erlebt haben.

Man kann das, was man erlebt hat, nicht ungeschehen machen. Wir können jedoch entscheiden, worauf wir unseren Blick richten: Blicke ich voll von Zorn und Vorwürfen auf die Ereignisse zurück? Oder versuche ich auch das zu sehen, was mich lernen und wachsen ließ?

Robert Emmons schreibt in seinem Buch Vom Glück, dankbar zu sein: „Unsere Identität ist eng mit wichtigen Erinnerungen aus unserem Leben verbunden. Man könnte sogar behaupten, dass wir sind aufgrund dessen, was wir erinnern. [...] Indem wir uns erinnern, ehren und erkennen wir an, auf wievielerlei Art und Weise das, was wir sind, durch andere geprägt wurde – durch Tote wie durch Lebende.“ Als Naikan-Leiterin kann ich nur sagen: Machen Sie Naikan, dann wissen Sie, was Emmons meint.

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