03.01.2016

Begrüßen statt weg optimieren

Es gefällt mir ganz und gar nicht. Alles in unserer Zeit soll "optimal" und "perfekt" sein und einem "Ideal" entsprechen. Alles, was nicht zu diesem Ideal passt, will man weg optimieren.

Fragt sich eigentlich irgendwer, was denn dieses "Ideal" überhaupt sein soll? Und jene, die sich darüber Klarheit verschaffen, was dieses "Ideal" angeblich ist: Fragt sich da irgendwer, ob dieses eigenartige "Ideal" überhaupt zu einem selber und zum Leben an sich passt?

Natürlich bin auch ich anfällig. Auch ich ertappe mich immer wieder dabei, dass mir etwas an mir nicht gefällt, dass ich irgendwelche "Fehler" weg haben will. "Optimiere dich selbst" ist ja groß in Mode. Das Weg-Optimieren finde ich allerdings nicht besonders gesund. Denn es bedeutet, einen Aspekt des Seins nicht haben zu wollen, mehr noch, gar nicht wahrnehmen zu wollen.

Ich sehe meine Übung darin, meine sogenannten "Fehler" zu begrüßen. Manche meiner weniger schönen Eigenschaften sind hartnäckige Begleiter. Da sage ich schon mal: "Hallo, alter Freund! Auch wieder da ..." Und ich bemühe mich, sie nicht wegzustoßen, sondern mit ihnen zu arbeiten.

Klar darf und will ich mich in mancher Hinsicht verändern. Doch bisher ist mir das immer nur gelungen, wenn ich mit meinen Fehlern arbeite und nicht gegen sie. Denn alles gehört zu mir: meine schönen und meine unbequemen Seiten.

Übrigens: Je besser ich mich kenne und anerkenne, desto unabhängiger werde ich von irgendwelchen Idealen. Und diese innere Freiheit kann ich nur jedem wünschen. In diesem Sinne: Möge das neue Jahr Freiheit und Frieden bringen!

Keine Kommentare: